Meine Eileiterschwangerschaft

Vergebt mir Fehler und Gedankensprünge etc. Es ist schon nach 5 Uhr früh und ich kann wegen der Schmerzen und vielleicht meiner Gedanken nicht schlafen. Hatte erst ne Vollnarkose und bekomme Schmerzmittel, aber für mich hat sich mein Geschreibsel logisch angehört 😉

Gestern wurde mir meine Eileiter und mein lebendes Embryo entfernt.

Es kam so ziemlich alles wie ein großer Schock. Vor kurzem erst bin ich endgültig nach Paris gezogen und hatte damit alleine so viel um die Ohren und eine negative Nachricht kam nach der anderen, aber es ging weiter. Ich wusste irgendwann würde es wieder vorbei sein und ich könnte mich wieder zurücklehnen und durchatmen.

 Naja gerade, wo alles vorwärts ging und der normale Alltag sich einstellen wollte, musste ich für einen Notartermin nach München fliegen.

Ich hatte zwei Nächte dafür eingeplant, davon einen ganzen Tag.

 Wenn ich schon mal hier bin, wollte ich auch gleich mal zu meinem Gynäkologen gehen. Ich hatte seit 15 Tagen immer wieder Schmierblutungen, jedoch keine Schmerzen bis vor ein paar Tagen dann auch noch meine Brüste anfingen zu schmerzen.

Das ich schwanger sein könnte, ahnte ich erst vor vier Tagen. Ich konnte nachts nicht einschlafen und hatte plötzlich diesen Impuls: „ Ich will jetzt schon schwanger sein, auch wenn es keinen Sinn macht“, aber der Drang war absolut groß und dann gestern wusste ich es ganz sicher und ich war glücklich darüber. Ich googlelte, was es wichtiges zu wissen gab in Frankreich und habe sogar Hebammen aus meinem Bezirk rausgesucht, die Hausgeburten begleiten, da so etwas eher selten ist in Frankreich.

 Naja ich wollte also zum Gyn gehen und die Schwangerschaft bestätigen lassen und mir das erste Ultraschallbild geben lassen.

Eigentlich war die Sprechstunde schon zu Ende, aber ich kam noch dran und als in der Gebärmutter keine Schwangerschaft zu sehen war, war es eigentlich schon vorbei und ich war verwundert, denn ich war mir so sicher. Ich habe den Herzschlag des Embryos, glaub ich, noch vor der Ärztin gesehen gehabt, aber erstmal nichts gesagt, weil sie noch rumgeschaut hat bis sie wieder dort stehen blieb und es vergrößerte und auch sah.

 Ich habe gesehen, wie das Herz schlug und wie es sich bewegte. Es war am Leben. Es war ein lebendes Wesen und ich wusste, dass es sterben würde. Ich lese immer so viel und über alles, also hatte ich auch mal etwas über Eileiterschwangerschaften gelesen. Ich wusste, dass man das Embryo nicht retten kann. Ich habe trotzdem die Ärzte gefragt, denn wer weiß, vllt ist die Medizin mittlerweile so weit und man weiß einfach nichts davon. Naja es ist nach wie vor nicht möglich. Da das Embryo bereits so fortgeschritten war, musste meine rechte Eileiter ganz entfernt werden.

Es war nur ein kleiner Eingriff durch eine Bauchspiegelung und ich hatte keinerlei Angst vor der Op. Ich hatte, wie gesagt, vorher schon einiges dazu durchgelesen gehabt und wusste bescheid und die Ärzte haben es sowieso immer wieder erklärt. Ich denke, dadurch dass ich keine Fragen hatte oder relativ wenig dazu gesagt habe, waren sie sich nicht sicher, ob ich alles verstanden hätte, aber sie waren alle sehr nett und wenn es ihnen besser geht, wenn sie es ein paar Mal wiederholen, wieso nicht.

 Gleich nach der Op habe ich den Leuten dort von meiner schmerzfreien und einfachen Geburt erzählt und ich habe mich ok gefühlt. Keine Schmerzen. Die körperlichen Schmerzen kamen einige Stunden später, die seelischen Schmerzen sobald ich alleine im Zimmer war.

 Ich fühle mich als hätte man mir etwas rausgerissen, das mein war, was auch wirklich geschehen ist, aber das Gefühl ist nicht auf das Körperliche bezogen. Etwas in mir, in meiner Seele wurde mir genommen, irgendwie gestohlen. Ich hatte mich auf ein zweites Kind gefreut und ich hatte mir schon so viel ausgemalt in der kurzen Zeit und habe in meinem Kopf schon Vorbereitungen geschlossen und das alles ist mit einem Mal einfach weg. Gerade noch da und puff alles weg. Ich habe mein Kind gesehen, wie es in mir lebt. Es hat gelebt, sich bewegt und sein Herz hat geschlagen und nun liegt es wahrscheinlich mit meiner Eileiter irgendwo tot im Müll. Ich hätte es so gerne beschützen wollen/es retten wollen, aber wie gesagt, ich war informiert und ich wusste egal wie entweder stirbt es alleine oder wir beide könnten zusammen sterben, wenn nichts gemacht werden würde.

 Meine linke Eileiter funktioniert ja noch und ich habe noch meinen rechten und linken Eierstock, denn auch wenn meine rechte Eileiter zwar weg ist, kann ich mit meinem rechten Eierstock ovulieren und die linke Eileiter fängt das Ei im besten Fall dann auf und alles geht seinen gewohnten Weg. Ich kann also auf jeden Fall noch schwanger werden, aber das ist nicht das Problem. Ich trauere um dieses eine Kind, das kaum war und schon wieder gehen musste. Dieses Kind in dieser Kombination mit all den Genen und Zellen wird nie wieder sein. Jedes Kind ist einzigartig und ein Wunder!

 Ich empfinde gerade einfach eine tiefe Traurigkeit und habe das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Da ist ein Loch in meiner Seele, aber naja es ist fünf Uhr früh und ich kann wegen der Schmerzen nicht schlafen. Vielleicht sieht es nach ein bisschen Schlaf und Ruhe morgen schon wieder besser aus. Das Leben geht immer weiter und auch das wird vorüber gehen, das weiß ich, auch wenn es sich gerade schier unmöglich anfühlt, wie man diese Leere füllen könnte. Noch dazu fühle ich mich beschämt. Wie soll ich es erklären. Ich schäme mich dafür, dass ich eine Schwangerschaft nicht normal austragen konnte, dass mein Körper nicht in der Lage war seine weibliche Tätigkeit auszuführen. Ich fühle mich in meiner Fraulichkeit angegriffen. Ich fühle mich weniger aufgrunddessen und auch hier weiß ich logisch betrachtet, dass es idiotisch ist und überhaupt nicht wahr ist, aber nichtsdestotrotz empfinde ich es in diesem Moment so.

 Hatte jemand von euch eine ähnliche Erfahrung? Wie ging es hinterher weiter? Wann habt ihr versucht wieder schwanger zu werden und wie lange hat es gedauert? Natürlich müsst ihr eure Geschichte nicht teilen, aber ich suche einfach nach..ich weiß es nicht..ich denke einfach, es würde mir helfen eure Geschichten zu hören.

 In Liebe

 Tatiana

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Anna sagt:

    Hallo Tatjana,
    musste bei deinem Post fast weinen. Ich fühle den Schmerz genau wie du. Ich hatte zwar keine Eileiter-SS, aber eine Fehlgeburt vor 10 Monaten und mein Schmerz war unerträglich.

    Ich habe mein Fehlgeburtskind nie am Monitor gesehen (Blutungen begannnen vor dem ersten Ultraschall) so wie du. Aber deine Gedanken kommen mir so bekannt vor.

    Ich habe Glück, ich bin wieder schwanger – aber mein erstes werde ich nie vergessen.

    PS: sorry, das passt nun nicht so ganz in die Stimmung, aber es heißt der Eileiter (kommt von leiten) und nicht die Eileiter (hat mit der Stufenleiter nichts zu tun).

    Liebe Grüße Anne

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