Wochenendmama

Wenn man von „Natürlich Mama“ zur „Wochenendmama“ wird

 Trennungen sind nie leicht und werden – hoffentlich- auch nie einfach getroffen, wenn Kinder involviert sind, doch in einer Beziehung zu bleiben, weil man gemeinsame Kinder hat, ist meiner Meinung nach auch nicht die richtige Lösung.

Vorweg, ich hatte schon immer meinem eigenen Kopf und ich denke, dass man nie pauschalisieren sollte, auch wenn ich das selber manchmal tue.

 Ich habe während der Schwangerschaft auf Alles verzichtet, was schädlich gewesen wäre und mich quasi nach Protokoll ernährt und zwei Tage lang geweint, weil ich Brot mit Teewurst essen wollte, aber es mir nicht erlaubt hatte, aufgrund der Toxoplasmosegefahr. Naja der Vater meines Kindes hat daraufhin nach ganz vielen Artikeln im Netz gesucht, wo Frauen während der Schwangerschaft Sushi oder ähnliches gegessen haben und mich zur Raison gebracht. Das war mein leckerstes Teewurstbrot in meinem ganzen Leben. Es hat sogar das Teewurstbrot meines Opas übertroffen, der mit dem Messer immer Karos einzeichnete *bestes Teewurstbrot evaa*

 Danach habe ich meine Tochter schmerzfrei und alleine auf die Welt gebracht ohne Probleme, weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, dass obwohl die Gesellschaft und die Filme etwas anderes behaupten, es möglich sei und die eigentliche Norm sein sollte. Ich habe daran geglaubt und es dann einfach gemacht.

 Ich habe meine Tochter nicht impfen lassen, obwohl das die eigentliche Norm in unserer Gesellschaft ist, weil ich mich tagelang – ich bin wirklich zufällig auf das Thema gelandet „Gott sei Dank“- mit dem Thema auseinandergesetzt hatte und natürlich auch noch bis heute nachrecherchiere und mich diesbezüglich auf dem Laufenden halte.

 Die ersten Monate habe ich die Entwicklung meiner Tochter noch ganz genau beobachtet und mit den Informationen aus Büchern und dem Internet abgeglichen, um sicher zu sein oder einfach Bestätigung zu haben, dass sie „normal“ bzw gesund ist. Doch hörte ich nach den ersten drei Monaten auch schon wieder auf damit, da ich es viel interessanter fand meine Tochter so kennenzulernen, wie sie ist und wie sie die Dinge lernt, tut und macht als sie mit einer festgelegten Norm zu vergleichen.

 Ich habe sie nach Bedarf gestillt bis sie sich mit 14 Monaten selber abgestillt hat und ich habe sie bei mir im Bett schlafen lassen, obwohl einem gesagt wird, dass dabei die Gefahr bestehe, dass man das Kind überrollt und erstickt, was ich persönlich für puren Unsinn halte und ganz und gar nicht als Norm ansehe, wenn keine Drogen, darunter auch Medikamente und Alkohol im Spiel sind.

 Ich habe wirklich überall gestillt, denn auch da war es mir egal, ob jemand sein Gesicht dabei verzieht oder nicht und als mein Arzt zu mir sagte, ich solle mit 6 Monaten abstillen und mir Gedanken darüber machen, ob ich denn nicht nur länger stille, um mein Bedürfnis nach Nähe zu stillen, habe ich mich gefragt, was er all die Jahre in seinem Medizinstudium gelernt habe.

 Ich hatte ein Kindertuch und und und.. Ich könnte ewig so weitermachen und nie hat es mich gestört, was die Gesellschaft dazu zu sagen hat, da mir meine Tochter und ihr Wohl wichtiger waren als die Gesellschaft. Die Gesellschaft ist nicht meine Tochter und doch..

 Und doch befinde ich mich nun in der Situation, in der ich die Gesellschaft in meine Entscheidung miteinbeziehen möchte.

 Trennungen sind niemals einfach, aber Gegenstände und Formalitäten bekommt man noch hin, wobei sogar das bei so einigen für viel Zündstoff sorgt. Doch die Frage, wo die Kinder nach der Trennung leben sollen, ist wiederum eine ganz andere Frage.

 Die Gesellschaft geht sofort davon aus, dass das Kind zu der Mutter gehört und ohne darüber nachgedacht zu haben, war ich der gleichen Meinung. Ich hatte nicht einmal eine Sekunde darüber nachgedacht, dass sie auch bei ihrem Vater gut aufgehoben wäre. Meine Tochter gehört zu mir. Klar. Was gibt es da darüber nachzudenken? Ich habe doch nicht all das für sie getan, damit sie dann plötzlich nicht mehr bei mir ist, schließlich habe ich diese Dinge für sie getan.

 Doch auch hier musste ich mich gegen die Gesellschaft und mich für mein Kind entscheiden.

 Wir waren drei Monate gemeinsam in Paris und obwohl wir schöne Zeiten und viel gelacht haben und ich jede Minute davon genossen habe, konnte ich nicht den Fakt übersehen, dass meine Tochter, die nie, wirklich nie krank ist, plötzlich eine Sache nach der anderen hat. Erst Ausschlag am ganzen Körper, dann Durchfall und schließlich ein ständiger Husten.

 Der Ausschlag war für mich anfangs erklärbar, denn Kinder reagieren manchmal auf äußere Umstände mit Ausschlag und eigentlich sind auch die anderen Dinge für mich erklärbar. Sie war einfach traurig, auch wenn sie es nicht gesagt hat und auch wenn sie ständig mit einem Lächeln durch die Gegend gelaufen ist und alle um sie herum verzauberte. Sie war traurig. Und ich kann es ihr genau nachvollziehen.

 Als mein Vater starb, war ich natürlich auch traurig, jedoch was mich noch viel mehr traumatisierte, war, dass wir plötzlich aus unserem Haus in eine Wohnung gezogen waren, in einen neuen Ort, wo ich dann schließlich in eine Schule kam, wo ich niemanden kannte. Das mein Vater weg war, war eine Sache, aber das ich alles andere drumherum auch verlieren musste, war einfach zu viel für mich und ein Schock. Trauma einfach.

 Also ging ich mit ihr wieder zurück nach Deutschland, damit sie wenigstens regelmäßig bekannte Gesichter zu Gesicht bekäme und ihre alte Freizeitroutine- Schwimmbad, Spielplatz, beste Freundin wieder hat. Wenigstens etwas Normalität.

 Ihr Husten blieb und mir ging es dann dort nicht gut. Mein Zuhause ist einfach in Frankreich, jedoch wäre das ein neuer Blogeintrag wert.

 Erst als ihr Vater sagte, dass er nun endlich wieder Zeit für sie hätte, ging es ihr etwas besser und als ich dann komplett nach Frankreich zog und sie erstmal bei ihrem Vater blieb, ging auch ihr Husten weg. Zufall? In diesem Fall weiß ich, dass es das Richtige für sie ist und sie hat es auch deutlich gesagt. Sie ist ein wunderbares Kind und ich habe sie dazu erzogen frei zu denken und für sich selber zu denken und darauf bin ich stolz. Ich kenne sie als Person. Ich habe sie von Anfang an fast täglich mit Ausnahmen beobachten und kennenlernen dürfen.

 Und auch wenn ich weiß, dass es das Richtige für sie ist, weil es ihr so besser geht, schleicht sich immer wieder das schlechte Gewissen in mich hinein und die Trauer und der Verlust darüber.

 Versteht mich nicht falsch. Es ist die richtige Entscheidung für sie hauptsächlich beim Papa zu leben aus vielen Gründen, aber mein Ego möchte manchmal über ihr Wohl hinweg entscheiden, weil ich nun diejenige bin, die trauert, weil ich nun nicht mehr weiß, wer ich bin, wenn ich sie nicht bei mir habe.

 Ich gehe an einem Spielplatz vorbei und mein Herz fühlt sich an als würde es ausgewrungen werden und es sticht, wenn ich durch die Straßen laufe und mich über den schönen Tag freue, weil ich ihn nicht mit ihr teilen kann. Es tut physisch weh, wenn ich mich an ihr Lachen erinnere und wenn ich sie am Ende wieder dem Vater übergeben muss, fühlt es sich an als hätte jemand mein Herz ausgerissen und ich weine erstmal im Auto, nachdem ich um die Ecke bin. (Möchte keinen Unfall bauen)

Sogar als ich die Eileiterschwangerschaft hatte, war der Gedanke daran, dass ich diese Zeit eigentlich mit meiner Tochter hätte verbringen können anstatt im Krankenhaus zu liegen, fast noch schmerzhafter als alles andere.

 Ich weiß ihr wollt neue Videos haben, neue Rezepte und Blogeinträge, jedoch war mein Kopf in letzter Zeit nicht ganz hier. Ich musste erst lernen mich selbst wieder zu finden. Wer bin ich, wenn ich nicht Frau bin, wenn ich nicht Mutter bin, sondern wenn ich einfach nur ich bin? Und auch wenn es eine schmerzhafte Erfahrung war dieses Kind (Eileiter) zu verlieren, hat es mich doch letztendlich wieder zu mir selber geführt.

Ich habe mich in diesem Moment nur noch verloren gefühlt und durch all eure Nachrichten und euren Support konnte ich nach all den Monaten endlich wieder aufstehen und weitergehen -nach vorne blicken und Kraft tanken.

 Ich weiß wieder, wer ich bin und trotzdem macht es die Sache nicht einfacher nur „Wochenendmama“ zu sein bzw sagen wir mal ich bin wieder auf dem Weg zu dem, wer ich wirklich bin, denn wie gesagt mein Ego macht mir manchmal ein Strich durch die Rechnung und dann frage/sage ich zu mir selber: Ein Kind gehört doch zu seiner Mutter!Oder? Aber ich weiß, dass es nicht stimmt zumindest in unserem Fall nicht und ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie es wohl als Vater ist, wenn man für seine Kinder Papa sein will und dafür erst noch vor Gericht kämpfen muss. Es muss absolut schrecklich sein.

 Naja ich verstehe, wenn nun einige nicht mehr zu diesem Blog zurückkommen, denn was ist schon eine Natürlich Mama ohne Kinder, aber letztendlich bin ich und bleibe ich für immer liebende Mama, die das Wohl ihres Kindes über das Eigene voranstellt, so gut es eben geht.

Ich suche jetzt erstmal nach einer größeren Wohnung und richte ihr Zimmer sein mit der Hoffnung, dass es irgendwann das Richtige für sie sein wird ganz bei mir zu bleiben bis dahin bin ich ihr zweites Zuhause und bekomme den ganzen Spaß ab, während Papa sich mit dem Alltag „abquälen“ muss. Jedoch war diese Entscheidung für mich/uns auch wirklich nur möglich, weil Papa ein wirklich super Papa ist. Naja die Haare sind vielleicht manchmal noch ein Problem 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s