Geburtsbericht: Selbstbestimmte Hausgeburt

Ich wollte mit euch diesen grossartigen Geburtsbericht teilen. Lest ihn und ihr werdet wissen, wieso ich ihn unbedingt teilen musste. Einfach wundervoll und grossartig! ❤

Melanie Steinbach:

Geburtsbericht, Hausgeburt vom 09 auf den 10.05.2016
Sodale… die große ist im Bett, die kleine schläft an meiner Brust, ich tippel mal vor mich hin 😉
Tja, wo fange ich an… am besten dabei das wir unsere Hausgeburt erst ab Woche 34+x geplant haben und ich somit die Hebamme nur relativ kurz kennenlernen durfte… was es jetzt im nachhinein so tragisch macht, ich vermisse sie so… Bei unserer großen im Jahr 2014 habe ich schonmal über eine HG nachgedacht aber ich habe mich nicht getraut und wir wohnten auch noch zur Miete in einem sehr hellhörigen Haus und da habe ich mich doppelt nicht getraut.
Nun wurde im Kh in das ich gehen wollte auf unseren Geburtsplan total doof reagiert bzw. so auf die Art: Ja, was sprechen sie das nun an, wir haben gewisse Vorschriften und sowieso… kommen sie damit wenn sie aufgenommen werden… als könnte man das unter wehen dann noch so besprechen!! Dieses Gespräch im KH war dann auch endlich Anlass dafür das mein Mann nochmal nachdachte, der hat nämlich total gegen eine HG gewettert und ich war schon am verzweifeln, wie ich ihn mit ins Boot bekommen sollte bzw. hatte ihm echt angekündigt das er dann leider nicht dabei sein kann!! Naja, wie dem auch sei… das Kh Gespräch und die überhebliche Art der Hebamme dort ließen ihn dann ins grübeln kommen und er stand einen morgen später vor mir und sagte mir das er es verstehen könne das ich mich daheim wohl am sichersten und am wohlsten fühle und die hauptsache sei, das es mir und dem Kind gut ginge und wenn es mir gut tun würde daheim zu bleiben, dann würde er das voll unterstützen und ich soll mal versuchen die HG Hebi zu erreichen… gesagt, getan und oh Wunder, für Anfang Mai hatte sie noch nichts im Kalender stehen und wollte mich kennenlernen  man war ich aus dem Häuschen!! Als dann noch die Chemie zwischen uns stimmte und klar war: So wirds gemacht, da war ich auf Wolke 7 und ab da die Ruhe weg… zumindest zunächst mal 😉

Die ersten Wellen begannen schon eine Woche vor ET und da unsere große auch eine Woche eher an war, hatte ich mir doch glatt Hoffnungen gemacht es könnte schon so weit sein… HAHA, Pustekuchen!!!
Ich ging bis 41+1, mit mal stärkeren, mal schwächeren Wellen, einem Mumu von 4 cm, einem Kind das tief im Becken lag, am zeichnen, der Schleimpfropf war schon 3 Tage bevor es los ging ab… herrgott… jedesmal wieder Sachen die mir Hoffnungen gemacht haben und dann war wieder nichts… dazwischen kam ein total beknackter ET+3 Besuch bei meiner Ärztin die Gott sei dank meinen Mumu nicht fand und sonst mal eben ungefragt ne Eipollösung gemacht hätte :-O *grr* beim US stellte sie fest das meine Plazenta am verkalken ist…

Am 09.05.2016 sagte mir dann meine HG Hebi das es ihr lieb wäre wenn ich heute nochmal zur FÄ fahren würde, für ein CTG und nen weiteren US, da sie nochmal gern auf die Plazenta gucken lassen würde… nicht das die schon so dolle verkalkt wäre, dann würde sie ne HG nicht betreuen!! Ich war fertig mit den Nerven (der ein oder andere erinnert sich evtl. an meinen Post), mein Plan war dann zunächst mal in das Backup-Kh zu fahren und dort schauen zu lassen, da ich mich über die FÄ ja geärgert hatte und nun Angst hatte das die mir nur Steine in den Weg legen will… wir sind also erstmal zum Kh gefahren und die sagten: Sie sind weder gebärend noch ein Notfall, bitte gehen sie wieder… ein US kann auch ein FA machen und wenn was auffälliges ist werden sie überwiesen!! Na danke :-/
Sind dann doch zu meiner FÄ und die nahm sich wirklich Zeit und war sehr nett (hatten uns bei ET+3 echt ne gute Diskussion geleistet), hat dann nen US gemacht (FW untersuchung und vaginale Untersuchung abgelehnt), beim US meinte sie (und ich fand man sah es auch als Laie) das die Plazenta ziemlich dolle verkalkt sei und sie nicht mehr ewig warten würde und ja auch mein Befund dafür spräche das es entweder bald los geht oder zumindest das es nur eines kleinen anstupses bedarf… sie schlug vor ins Kh zu gehen und nen „Probetropf“ über nacht anlegen zu lassen 😀 noch wie was von nem Wehentropf auf Probe gehört und sorry… sie hat jahrelang Hausgeburten betreut, wieso rät die mir zum Kh… naja… egal… ich sagte dann nur danke und ich würds meiner Hebi ausrichten.
Bin dann mit meinem Mann ins Auto und wir wollten die große holen fahren… da gings wieder los… wellen… so im Abstand von 8 Min aber durchaus vorhanden… habe meinen Mann dann zum anhalten gebeten und habe meiner Mutter gesagt das wir erstmal heim fahren und sie die große behalten solle, für den Fall der Fälle! Dann hab ich meine Hebi angerufen und ihr vom FA erzählt und das ich wieder leichte Wellen habe… sie meinte daraufhin wenn ich wolle, nicht müsse könne ich mir ein Rührei mit Rizinusöl braten, das Öl habe sie mir ganz hinten links hinter nem Glas Gurken versteckt, das hätte sie dann statt Nelkenöltampons vorgeschlagen wenn ich bis Ende der Rufbereitschaft gegangen wäre.
Wir sind dann heim… und wie immer: Wellen auf einmal weg… nach ner Stunde beim Abendessen wieder da… ich war so genervt… eigentlich war ich satt… aber ich hab mir dann aus Frust ein Ei gebacken… mit 10 statt 20 ml Rizinusöl, dachte entweder die langen oder es soll einfach nicht so sein :-/ kaum hatte ich das Ei gegessen, gings in mir auch schon rund, zumindest tobte und wackelte die kleine was das Zeug hielt und ich flitzte lieber ins Bett… wer weiß wie viel Zeit ich noch zum entspannen hätte…
Um 3:00 sprang ich wie von einem Tier gebissen aus dem Bett WOHA das war mal ne Welle!! Mein Mann meinte er bleibe erstmal liegen… nich das es wieder blinder Alarm is und er auf der Frühschicht müde, hui, da waren die wellen vergessen, da bin ich erstmal aus der Buxe gesprungen!! Ob er nich dabei war als ich vorhin das Ei gebraten habe und dann mit gerumpel in der Gebärmutter ins Bett bin… im übrigen seien die Wellen anderer Natur als sonst die ganze Zeit… ich bin dann runter und 20 min später wars ihm dann wohl ernst genug (saß da fluchend auf der Gästetoilette). Ich hab mir ein paar Kerzen angemacht, Musik aufgelegt, was zu trinken parat gestellt und bin dann im Wohnzimmer umher spaziert. Die Wellen waren doller aber ich empfand keine Schmerzen und konnte sehr gut mitatmen… zwischendurch mal auf Klo (sitzen und liegen unter wellen waren einfach nur schrecklich) und schnell wieder hoch zum laufen, veratmet habe ich knieend auf der Couch, nachdem mein Mann aufstand und alles abdeckte, er machte sich auch gleich dran den Pool zu füllen, das mussten wir nämlich wie wir einen Tag vorher feststellten über Eimer, Töpfe und Wasserkocher bewerkstelligen (hat funktioniert!!).
Um 3:40 rief ich meine Hebi an und die meinte sie macht sich auf den Weg… mittlerweile zeichnete ich noch mehr, die Wellen wurden noch etwas doller oder die Abstände kürzer, so genau kann ich das nicht mehr sagen, jedenfalls wünschte ich mir die Hebi herbei… die hing hinter einem Schwerlasttransport fest und brauchte statt 45 Min dieses mal knapp über 60… das erfuhr ich aber erst beim nähen, ich weiß nur das es mir lange vorkam 😉 Allerdings war ich sowieso in meiner eigenen Welt… ich hatte meine Musik aufgelegt (Faun – Licht und die Hypnobirthing-Cd), war die Wellen knieend auf der Couch am veratmen und am spazieren… ich freute mich bei jeder Welle, ging meine Geburtskarten durch die ich auf meinem Tischchen mit Kerzen etc. gedeckt hatte und genoß den Augenblick… klingt doof, war aber so 😉 einzig und allein die Klogänge hätte man streichen können, denn wie bereits erwähnt, sitzen und liegen = sehr unangenehm.
Meine Hebi stand nun irgendwann auch in der Tür und beobachtete mich erstmal mit einem grinsen auf dem Gesicht, dann schaute sie nach den Herztönen (alles super) und fragte ob sie nach dem Mumu gucken solle, ja sollte sie, der war auf guten 8 cm angekommen und ich weiterhin auf Wolke 7!! Sie half dann meinem Mann den Rest des Pools zu füllen, beide schälten mir noch einen Apfel und ich genoß meinen letzten Apfel mit Baby im Bauch… das war mir ein tägliches Ritual geworden!!
Der Pool war nun voll und meine Hebi gab den Startschuss zum plantschen… das ließ ich mir nicht zweimal sagen, ich hatte nämlich grade eine übelste Hitzewallung!! Ich ließ mich ins Wasser gleiten und genoss die Wellenpause die circa 5-10 Min (laut Mann) anhielt… wir unterhielten uns und ich fühlte mich leicht, geborgen und warm.
BÄÄMM, die Wellenpause ging vorrüber und oh wei, oh weh, was war das?! Nie erreichte Kräfte durchwallten meinen Körper!! Ich fragte mal so nebenbei ob das normal wäre, ja und ich solle auf meinen Körper hören, wenn ich wolle könne ich mitschieben ( AHAAA, das ist also die Finale Phase um die ich im Kh damals dank PDA beraubt wurde). Ich tönte nun sehr laute AA und OO und vor allem immer wieder JAAAAAAAAA, in Gedanken: JAAAAA ich will es, alles wird gut, ich bin offen… ich kann es nicht wiedergeben… ich war in meiner Welt, schmerzfrei, ganz weg… nur laut war ich, aber positiv!! Es hat so verdammt gut getan!! Meine Hebi hat mitgemacht und hat mich angefeuert, was mir noch zusätzlich Kraft gab!! (O-Ton meines Mannes: Ihr könntet eine Death-Metal-Band gründen!!)
Mein Mann zog zwischen zwei Wellen den Rollladen hoch und ich habe draußen die Vögel und unseren Garten bewundert, bei den Wellen ging ich dann in den Vierfüßler und schob mit… ich weiß nicht wie lange… die Herztöne waren immer in Ordnung… trotzdem überkam mich das Gefühl nochmal die Position zu ändern aber ich fand sie nicht so richtig… Heike schlug mir dann vor mich halb auf die Seite zu drehen und das war perfekt! Sie sagte mir das die Fruchtblase noch immer intakt sei, ich dachte: deswegen schiebe ich wohl nun schon länger… ich fragte ob sie sie öffnen könne, klar gerne, wenn ich will… JA, ich will!! Dieser Moment war so wundervoll, weil selbstbestimmt!!
Sie öffnete die Fruchtblase… ich tönte noch 3-4 mal mit einem lauten JAAAAA und dann fasste ich mir zwischen die Beine, da waren Haare und eine Nase   eine Welle lang hatte ich etwas komisch geatmet und merkte ein brennen, ich war am Muskel etwas gerissen und wurde später mit 3 Stichen genäht, das war der einzige Zeitpunkt neben den Klogängen die mir kurz etwas weh getan haben. Ich atmete noch 2 weitere Wellen und unsere kleine Milchmaus schwamm aus mir heraus (07.25 Uhr), ich war so verwundert das es schon so weit war und es wohl nur einmal weh getan hat, das ich gar nicht zugreifen konnte… Heike nahm sie dann und legte sie mir auf den Bauch… mein Mann stand unter Tränen am Pool und ich hockte mit dem wohl dämlichsten grinsen der Welt mitten herinnen 😀
Gott was war/bin ich so glücklich wenn ich an diesen Moment und diese Geburt denke!!! Ich gebar noch in aller Ruhe die Plazenta im Pool, dann stiegen wir aus, wir stellten den Riss fest, ich stillte erstmal, später nähten wir und der stolze Papa zog seine zweite Tochter an!! Die Hebamme und mein Mann räumten noch etwas auf und dann gingen wir erstmal schlafen.

Ich danke euch!! Ich danke euch Frauen, die mir mit Rat und Tat in der ganzen Zeit beistanden, denen keine Frage zu doof oder unpassend war… die sich gegenseitig stützen, in einer Welt in der es leider nicht normal ist das normalste zu tun!! Zu gebären!! Frei!! Selbstbestimmt und Wunderbar!! Fühlt euch ALLE ganz lieb gedrückt von mir!!   

In tiefem Dank
Melanie

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